Menschen mit herausfordernden Biografien

Nicht die Dinge an sich sind es, die uns beunruhigen, sondern vielmehr ist es unsere Interpretation der Bedeutung dieser Ereignisse, die unsere Reaktion bestimmt.“
(Markus Aurelius)

Wie wir unsere Vergangenheit betrachten gestaltet unsere Zukunft.

Wir alle bringen unsere Lebensgeschichten mit in die Gegenwart und alle erlebten Aspekte prägen die Art und Weise, wie wir unsere Zukunft gestalten. Bei manchen von uns waren die Herausforderungen weniger groß, bei anderen größer, bei manchen kaum zu stemmen.

Studien haben gezeigt, dass es markante Unterschiede gibt, in der Art, wie Menschen auf Schicksalsschläge reagieren. Resilienz ist eines der Worte, das in diesem Zusammenhang häufig gebraucht wird. Resilienz steht für die psychische Widerstandsfähigkeit im Zusammenhang mit Krisen. So stellt sich die Frage, wie Resilienz denn entwickelt werden kann und welche Kompetenzen wir brauchen, um resilient auf Herausforderungen reagieren zu können.

Hier gilt es den Fokus von dem Gefühl der eigenen Unfähigkeit auf das Gefühl von Fähigkeit und Selbstwirksamkeit zu lenken. Ob wir uns selbstwirksam fühlen oder nicht, hängt stark davon ab, wie wir unsere bisherige Lebensgeschichte wahrnehmen. Sehen wir uns in unserer bisherigen Lebensgeschichte als Opfer – ohnmächtig und ausgeliefert, oder sehen wir uns als jemanden, der gestalten kann und mit gezielter Sprungkraft die Hürden des Lebens überspringt?

Die eigene Biografie zu erkunden und zu analysieren ist ein hilfreicher Startpunkt, um den Blickwinkel auf das bisherige Leben so zu verändern, dass die eigenen inneren Ressourcen wieder sichtbar und anwendbar werden.

Wird die Wahrnehmung der eigenen Biografie so auf Selbstwirksamkeit verändert, so stärkt dies den Optimismus für die Zukunft. Eine optimistische Grundhaltung ist ein weiterer Aspekt der Resilienz.

Ein anderer Aspekt von Resilienz ist die Stabilität bzw. das Steuerungsvermögen der eigenen Affekte. Sind wir fähig Wut konstruktiv auszudrücken oder neigen wir eher zum Dampfkochtopf-Prinzip? Sind wir fähig, unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen und adäquat zu verbalisieren? Können wir Grenzen setzen und dafür sorgen, dass diese nicht überschritten werden? Die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben hat nichts damit zu tun, kalt und emotionslos zu sein. Es geht eher darum in engem Kontakt mit den eigenen Gefühlen zu sein, diese zu erkennen und dann konstruktiv Lösungen zu finden, die den dahinter liegenden Bedürfnissen Rechnung tragen.

Sind wir fähig, unsere Gefühle und Bedürfnisse in dieser Weise zu „steuern“, so erfüllen wir einen weiteren Aspekt der Resilienz – wir kommen der Realität näher. Wir alle wissen, dass negative Gefühle Stress erzeugen. Stress wiederum erzeugt einen Tunnelblick. Unser Wahrnehmungshorizont wird sehr, sehr eng. Weiten wir diesen, können wir unsere kleinen und großen Krisen realistischer bewerten und haben einen viel weiteren Handlungsspielraum.

All diese Aspekte tragen dann am Ende dazu bei, dass wir wieder offen und vorurteilslos mit anderen Menschen umgehen können – ein weiterer Faktor der Resilienz ist Kontaktfreude. Kontakte bedeuten menschliche Nähe, bedeuten ein Miteinander, bedeuten Leben und am Ende ermöglichen sie ganz andere Lösungen. Oft können wir unser Problem einfach lösen, indem wir jemanden um Hilfe bitten, statt zu glauben, wir müssten alles alleine tun.