Menschen mit schwierigen Verlusten

Was von uns gehen will, muß vorher zu uns gekommen sein.

(Lao Tse)

Menschen mit schwierigen Verlusten

Welcher Verlust schwierig ist, ist für jeden von uns anders. Sehr oft höre ich Vergleiche unter Trauernden. In diesen Vergleichen werden Bewertungen vorgenommen, was denn wohl ein schwerer oder weniger schwerer Verlust ist. Ich glaube nicht an solche Bewertungen.

Jeder Verlust schmerzt und was als großer oder kleiner Verlust gewertet wird, ist für jeden anders. Wir glauben manchmal, dass es schwieriger ist, einen nahestehenden Menschen durch den Tod zu verlieren, als die Arbeit oder eine Partnerschaft. Und doch ist jeder Abschied von „etwas“ ein kleiner Tod.

In der Regel sind wir so mit dem Leben beschäftigt, dass wir das Thema Tod völlig ausblenden. Schon das Wort erschreckt meist, wenn es in einer unterhaltsamen Runde angesprochen wird. Schock, betretenes Schweigen oder direkte Ablehnung. Niemand reagiert so, wenn über die Geburt gesprochen wird.

Dieser Umgang mit dem Thema sorgt häufig dafür, dass Menschen, die jemanden wichtigen in ihrem Leben durch den Tod verlieren, auch noch ein bisher funktionierendes soziales Umfeld verlieren. Das gilt besonders dann, wenn die Umstände schwierig waren, oder aber jemand „inadäquat lange“ trauert. Menschen haben ein Bild davon, wie und wie lange richtiges Trauern geht…meist solange bis sie selbst betroffen sind.

Die Trauerforschung hat viele Ansatzpunkte. Es gibt die 4, 5 oder mehr Phasen. Es gibt das Trauer-Aufgabenmodell und alle haben ihre Berechtigung.

Doch weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Trauer etwas sehr Individuelles hat und in kein Raster gepackt werden kann. Je nach Umständen des Verlustes gibt es noch ganz viele andere Facetten und Randerscheinungen, die im Rahmen dieser Verlustbewältigung ans Tageslicht rücken. Es mag das Gefühl der Schuld sein, das Falsche oder nicht genug getan zu haben. Es mag das Gefühl von Heimatlosigkeit sein, wenn die Eltern plötzlich nicht mehr da sind. Es mag das Gefühl sein, auch über den Rest des Lebens völlig die Kontrolle verloren zu haben. Es mag sein, dass ungeklärte Konflikte offene Enden hinterlassen und ein Weiterleben so schwer machen. Manchmal ist es jedoch auch das Erkennen, dass auch das eigene Leben eines Tages vorbei sein kann.

Trauernde Menschen, die zu mir kommen, finden ein offenes Ohr, persönliche Bewältigungserfahrung und ein empathisches und individuelles Vorgehen, um die Schritte zurück in ein wirklich gelebtes Leben zu gehen.